Auszüge aus einem Interview mit Martin Rütter ...

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"Hunde dürfen nicht vermenschlicht werden"

Tierpsychologe Martin Rütter über Kommunikationsprobleme zwischen Mensch und Hund

Sie hatten schon vor der "Couch für alle Felle" großen Erfolg mit ihrem "Zentrum für Menschen mit Hund". Aber Sie hassen es, wenn man Sie den "Hundeflüsterer" nennt. Warum?

Martin Rütter: Das ist so was Abgehobenes, so was Unnahbares und hört sich nach besonderer Gabe an. Und viele machen eine Show daraus. Ich bin nicht der Mann, der mit den Hunden spricht, sondern einfach nur jemand, der die Hundekommunikation und ihr Verhalten versteht. Und ich glaube, dass auch fast jeder Hundebesitzer lernen kann, die klaren Zeichen seines Tieres zu lesen.

Wie und wo haben Sie gelernt, Hunde zu verstehen?

Martin Rütter: Ich wurde relativ steril erzogen und habe beigebracht bekommen: Tiere stinken, machen Dreck und man kann sie essen. Trotzdem hatte ich mit 15/16 cirka 300 Hundebücher gelesen. Und ich hatte ischon ganz früh eine starke Affinität zu Straßenhunden. Da gab es zwei Hunde in der Nachbarschaft, um die habe ich mich gekümmert, ganz laienhaft natürlich. Unter anderem bin ich mit ihnen auf Tippeltour durch die Hundeschulen gegangen.

Und wie kamen Sie dann auf die Idee, Tierpsychologie zu studieren?

Martin Rütter: Erst habe ich ganz ordentlich Diplomsport studiert, um Sportjournalist zu werden. Aber nebenbei habe ich mich immer mit Hunden beschäftigt. Und dann hörte ich von der ATN in der Schweiz, die dieses Studium anbot. Da habe ich es gemacht, auch wenn es in Deutschland kein anerkanntes Diplom ist.

Und wie haben Sie schließlich ihre ganz besondere Trainingsmethode für schwierige Hunde entwickelt?

Martin Rütter: Ich war viel an Hundeschulen und habe gesehen, wie ich es nicht machen wollte. Denn dort ging es meist nur darum, den Willen der Hundes zu brechen. D.O.G.S. ist ein Potpourri aus vielen verschiedenen Trainingsmethoden und wird individuell auf den Hund und seinen Besitzer angewendet. Es orientiert sich an den natürlichen Veranlagungen und Bedürfnissen der Hunde - und es funktioniert.

Worin liegt denn eigentlich das Hauptproblem zwischen Mensch und Hund?

Martin Rütter: Der größte Fehler, den Menschen machen können, ist ihren Hund zu vermenschlichen. Sie behandeln ihn wie ihr Kind oder ihren Sozialpartner und vergessen, dass er ein Tier ist. Und dann wundern sie sich, dass es Probleme in der Kommunikation gibt. Manchmal kann man den Menschen nicht helfen, aber gucken, dass es dem Hund gut geht - und manchmal ist es umgekehrt. Manchmal passen das Tier und der Mensch auch einfach nicht zusammen.

Und was machen Sie dann?

Martin Rütter: Mein Anliegen ist es, erst einmal herauszubekommen, welche Ansprüche der Mensch an das Tier hat. Und ich möchte ihm ein Gefühl dafür geben, welche Bedürfnisse der Hund hat. Denn die meisten Menschen denken, es reiche aus, den Hund zu füttern, ihn zu streicheln und mit ihm spazieren zu gehen. Er soll sich mit anderen Hunden vertragen, keine Enten jagen und kinderlieb sein.

Bei Frau Heindrich und ihrem Bill sieht es auch so aus, als würden die beiden nicht so recht zusammen passen, obwohl sie sich eindeutig sehr mögen.

Martin Rütter: Bill ist nicht zwingend ein Problem-Hund. Und Frau Heindrich ist auch kein Problem-Mensch. Aber hier treffen zwei Charaktere aufeinander, die nur schwer in Einklang zu bringen sind: Der Dobermann ist ein jugendlicher Rebell, der über Tische und Bänke geht. Und Frau Heindrich ist eher die "Rentnerin", die mit ihrem Hund gemütlich spazieren gehen möchte. Ein Hund kann eine Riesenfreude sein, aber auch eine Riesenbelastung.

Zu den wichtigsten Dingen, die sie den Hundebesitzern beibringen, gehört, dass sie konsequenter sein müssen. Das erinnert ein wenig an Erziehungsratgeber für Eltern. Kann man ihre Methode auf Kinder übertragen?

Martin Rütter: Das Grundprinzip ist das Gleiche, mit dem Unterschied, dass der Hund immer von den Ressourcen des Menschen abhängig sein muss, um gesellschaftsfähig zu bleiben. Kinder hingegen müssen letztendlich selbständig werden und ihre eigenen Ressourcen horten.