Die "Erziehung" eines Windhundes...

Es ist wohl eine unausrottbare Frage: "Kann man einen Windhund "erziehen"???

Mal eine Gegenfrage: "Leben Sie mit einer Katze zusammen, um ihr Leben mit einem Individuum zu teilen, welchem Sie zu jeder Zeit "Befehle" erteilen können"???

Zu "hündischem" Gehorsam werden Sie einen Windhund NIE bewegen können, denn er denkt mit - und wenn ihm ein "Befehl" unsinnig erscheint, wird er ihn NICHT befolgen und das Ganze mit dem entsprechenden Blick "kommentieren".
Aber - natürlich kann man einen Windhund erziehen!!! - In der Regel vollzieht sich das auf andere Art, als bei anderen Gebrauchshunden.

Was das tägliche und häusliche Zusammenleben betrifft, legen SIE die Regeln fest, indem Sie erwünschtes Verhalten mit Lobeshymnen kommentieren und auch ebenso deutlich machen, was Sie nicht dulden wollen.

Wenn Sie konsequent und ohne Härte dabei vorgehen, wird Ihr Windhund Ihre "Rudelführung" problemlos anerkennen und sich an Ihre Regeln halten.
Im Gegensatz zu allen anderen Hunderassen, hat der Windhund sein Leben immer in engster Lebensgemeinschaft - als Partner - mit seinen Menschen verbracht. Er ist auf ein soziales Miteinander (!) innerhalb (s)einer Menschenfamilie konditioniert!!

Kontakte zu anderen Hunden - und möglichst anderen WINDhunden, sind sehr wichtig - haben Sie einen Windhundwelpen oder Junghund, wird es diesem nicht schaden, in einer "Welpen-Spielgruppe" herumzutoben, um sein Sozialverhalten zu trainieren. -

Aber lassen Sie sich nicht einreden, einen Windhund könnte man erziehen, wie z.B. einen Schäferhund - DAZU ist er nicht geeignet!! -
Begleithundprüfung für einen Windhund - hört sich ja gut an - und vielleicht gibt´s ja auch noch die entsprechende "Urkunde" dazu - aber brauchen Sie diese "Urkunde" wirklich??

Ich kann Ihnen versprechen, dass Ihr Windhund Sie in normalen Alltagssituationen fast wie ein "abgerichteter" Hund begleiten wird.
Bei den "westlichen" Windhundrassen - und vor Allem, bei den durch Einkreuzung anderer Rassen (z.B. Doggen und Terrier) "restaurierten" Rassen, wie es der Irish Wolfhound, der Whippet und möglicherweise auch der Deerhound sind, werden die Trainings auf dem Hundeplatz noch am ehesten gelingen.

Wer glaubt, durch die Urkunde an der Wand hätte er seinem Windhund nun auch gleich den "Jagdtrieb" abtrainiert, der begeht einen gefährlichen Denkfehler.
Nun zu meinen, man könnte seinen Windhund unbesorgt frei in Wald und Flur herumtoben lassen, weil er ja zuverlässig gehorcht, wird über kurz oder lang eines Besseren belehrt.
Der "Jagdtrieb" des Windhundes wird seit tausenden von Jahren gefordert, gefördert und wurde damit genetisch von Menschen festgelegt - Sie KÖNNEN genetisch verankerte Wesenmerkmale NICHT ABTRAINIEREN!! -

An Sie als Windhundbesitzer sind also andere Anforderungen gestellt:

Sie werden lernen müssen, die Natur ANDERS zu betrachten - wo droht Gefahr, durch plötzlich aufspringendes Wild - wo wird das Gelände zu unübersichtlich, um Ihren Windhund frei laufen zu lassen.
Sie werden lernen, dass Sie nur EINE Chance haben, Ihren Windhund rechtzeitig abzurufen - nämlich DANN, wenn Sie VOR ihm sehen, was IHN interessieren könnte! -

Wenn Sie Ihrem Windhund eine ganz besonders große Freude bereiten wollen, gehen Sie NICHT mit ihm auf den "Hunde-Platz", sondern zum Training SEINER Fähigkeiten auf die Rennbahn oder zum Coursing!! -

Sie werden Ihren Windhund NIE so glücklich erleben, als nach einem SOLCHEN TRAINING !!

Fazit: Zur Arbeit mit allen anderen Gebrauchshunden gehört der unbedingte Gehorsam - da u.a. diese Arbeit sich im direkten Einflussbereich des Menschen vollzieht - deshalb sollte man "Gehorsam" bei DIESEN Hunden auch unbedingt trainieren !

Zur Arbeit des Windhundes dagegen gehört vor Allem, sich aus diesem Einflussbereich zu LÖSEN um EIGENSTÄNDIG zu JAGEN!!! (siehe Beitrag zum Thema Jagdtrieb)

Monika Giese und Anita Volk
Windhunde sind Jagdhunde ...