Ängstliche Hunde ...


Ihr Hund ist sehr ängstlich und Sie lesen in einem Fachbuch, dass sie den Hund keinesfalls beruhigen, sondern sich ganz normal verhalten sollten - so, als seie "alles ganz normal". Weiterhin heisst es "üben , üben, üben" damit sich der Hund an die ihn beängstigende Situation gewöhnt.

SIE sagen....... aber ER versteht....

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, WARUM ein Hund ängstlich ist? Das kann verschiedene Ursachen haben.

1. Mangelnde Prägung im Welpenalter:

Welpen produzieren in den ersten Wochen ihres Lebens kein Adrenalin. Daher ist diese Zeit (die Prägephase) sehr wichtig und MUSS genutzt werden, um so viele Erfahrungen und Umweltreize als möglich kennenzulernen (denn der Welpe wird KEINE Angst empfinden KÖNNEN).

Hat ein Hund in diesen WICHTIGEN ersten Lebenswochen KEINE Umweltreize erfahren, wird er später evtl. große Ängste entwickeln die ein harmonisches Zusammenleben erschweren können. Er wird sich vor Allem und Jenem fürchten, sei es ein Papiertaschentuch, welches auf dem Gehweg liegt (welches gestern noch NICHT dort lag) oder einem Verkehrsschild, einem Baum, einem Mülleimer - für ihn ist alles "NEUE" BEÄNGSTIGEND und prägt sich auch als "beängstigend" in das Gedächtnis ein.

Einen NICHT geprägten Hund durch "üben, üben, üben" an "Umweltreize" gewöhnen zu wollen, die ihm Angst machen, kann ein fataler Fehler sein. Die Panik des Hundes wird sich evtl. vergrößern.

Daher sollte man einen NICHT geprägten Hund vorerst vor Umweltreizen fern halten, und ihn in reizarmer Gegend an "GEGEND" gewöhnen. Er wird evtl. sehr langsam (es können Jahre sein) Selbstvertrauen entwickeln... aber DANN hat er es auch geschafft. Sie sollten sich dennoch von dem Gedanken lösen, einen "durch nicht durchlebte Prägung" verängstigen -mittlerweile "stabil erscheinenden" Hund- mit zum Shopping in die Fußgängerzone zu nehmen.

Auch wenn ihr Hund sich mittlerweile ausgeglichen gibt, SHOPPING bedeutet für ihn enormen Stress der evtl. mit Durchfall und/oder Futterverweigerung, quittiert wird.

2. Schlechte Erfahrungen (Beispiel: Angst vor Menschen):

Einen durch schlechte Erfahrungen (z.B. mit Menschen) ängstlich gewordenen Hund können Sie mit Liebe und Hundeverstand auf den Weg bringen, dass er IHNEN vertraut und dadurch eine intensive Bindung zu Ihnen entwickelt. Er wird Ihnen folgen, egal wohin Sie gehen (auch wenn er sich nicht "ganz so sicher fühlt").

Wenn Sie "üben, üben, üben" wird er weiterhin misstrauisch gegenüber Menschen bleiben und im günstigsten Fall ein Leckerchen annehmen.
Wenn Sie Ängste dieser Art WIRKLICH abbauen wollen, sollten Sie jede Kontaktaufnahme durch Menschen mit Ihrem Hund verhindern.
Hunde sind neugierig... und wenn "ein bedrohlicher Mensch" durch Ignorieren KEINEN Kontakt zu diesem Hund wünscht, wird der Hund eigenständig auf diesen Mensch zugehen!

(Unterstützen Sie Ihren Hund bitte, indem SIE KEINEN KONTAKT zwischen IHREM Hund und fremden MENSCHEN wünschen - warten Sie bitte, bis ihr Hund eigenständig Kontakt möchte - und dann bitte leise "loben, loben, loben"! besser noch: "Calming Signals" einsetzen...

3. Reizlose Haltung durch evtl. Vorbesitzer:

Ihr Hund hatte eine wunderbar geprägte Kindheit, lebte dann bei Menschen, die ihm jeden Reiz entzogen haben? Er hat resigniert und erscheint Ihnen sehr ruhig.

Wenn Sie nun "üben, üben, üben" wird Ihr Hund aufblühen. Aus traurigen Augen werden leuchtende Augen und aus einem "ruhigen Hausgenossen mit traurigen Augen" wird ein "verspielter, fröhlicher Fratz".

Anita Volk
Windhunde sind Jagdhunde ...


*QUELLE Abbildungen:
ALBRECHT Pharma: "Wie wär´s mit einem lieben Hund"