Tipps für die ersten Tage mit Ihrem Hund ...

Liebe Adoptiv- und Pflegeeltern ...

Hier finden Sie einige Tipps zum Umgang mit Ihrem Adoptiv-/Hund. Die ersten Tage sind für ihn sehr schwer. Vergessen Sie bitte nicht seine Vorgeschichte und die lange Reise, die er hinter sich hat. Er braucht Zeit.....

Wichtig: Der "Start" ...

Ihr Hund wird sich ein ruhiges Plätzchen suchen, vielleicht ist der vorgesehene Platz nicht der sicherste für ihn, also bitte zwingen Sie ihn nicht da zu liegen, wo Sie es vorgesehen haben.

Ganz unabhängig von seiner "Herkunft" (ob Tierschutz oder aus privater Abgabe)... ein Hund ist ein Rudeltier und MUSS sich nun neu orientieren. Das kann einige Tage/Wochen dauern.

Manche Hunde sind vorerst unsicher, mache total "happy", endlich ein liebevolles, weiches "Plätzchen gefunden zu haben. Doch bitte bedenken Sie:

In den ersten Tagen benötigt ihr Hund (ganz gleich wie er sich gibt) RUHE: Nehmen Sie ihn daher bitte NICHT mit in die Stadt, NICHT mit zu Freunden und beginnen Sie BITTE auch NICHT mit zu Übungen auf einem Hundeplatz!

Manche Hunde lieben Trubel und Menschenmassen, manche aber auch nicht. Es gibt vorerst KEINEN Anlass, ihn (unmittelbar nach der Ankunft) Situationen auszusetzen, die er nicht kennt, oder die er derzeit noch NICHT verabeiten kann!!!! Dazu gehört auch, ihn NICHT zu baden, zu kämmen oder zu umarmen! Und eine ganz besondere Bitte falls sie weitere Hunde zu Hause haben, nehmen Sie nicht ALLE HUNDE GEMEINSAM mit in einen Tierfutterhandel - Ärger ist vorprogrammiert!

Der Hund im Schlafzimmer ...

Wenn Sie nicht möchten, das Ihr (Pflege)-Hund im Schlafzimmer schläft, ist das nicht weiter tragisch. Lassen Sie dennoch bitte in den ersten 1-2 Nächten nicht alleine oder mindestens ein Licht in seinem "Schlafraum" brennen.
Er weiss sonst nicht, wo er sich befindet, wird unsicher, evtl. "nach seinem alten Rudel" weinen oder "stumm trauern".
1-2 Nächte im Wohnzimmer, in der Nähe eines Hundekorbes, sind für MENSCH keine Schande... im Gegenteil: Hund schläft gut, und Mensch dadurch um 1-2 Tage verzögert ebenfalls.
Gegen einen Hundekorb im Schlafzimmer haben die meisten Hundehalter nichts einzuwenden. Es schläft sich einfach ruhiger, wenn der Hund auch ruhig schläft :-))

SEIN persönlicher Platz ...

Dorthin kann er sich zurückziehen, wenn er in Ruhe gelassen werden möchte, er hat einiges zu verarbeiten, gerade in den ersten Stunden/Tagen. Manche Hunde sind sehr nervös, andere schlafen tagelang.

Wenn sich ihr Hund zurückzieht, sollten Sie ihn nicht stören. Bitte akzeptieren Sie das.
Wenn der Hund sich ein "sicheres" Plätzchen in der Wohnung sucht und findet, machen Sie es ihm dort so bequem wie möglich (auch wenn Sie diesen Ort "unmöglich"). Der Hund braucht anfangs vielleicht das Gefühl der "sicheren Höhle".
Windhunde z.B. müssen aufgrund ihres Knochenbaus und des fehlenden Unterfettes immer sehr weich liegen.
Andere Hunde haben auch nichts dagegen ;-))))

Futter ...

Bitte füttern Sie NICHT zu große Mengen auf einmal (lieber weniger aber öfter).
Fast alle Hunde haben die ersten 2-3 Tage Durchfall (von der Futterumstellung, Transportstress etc.). Wenn es nicht länger dauert oder extrem dünnflüssig oder gar blutig wird, ist das kein Anlass zur Sorge. Wenn Sie unsicher sind, was Sie tun sollen, rufen Sie uns bitte an: 06401 227593.

Bitte denken Sie daran, dass manche Hunde oft Essensreste oder Brot, also kein ausgewogenes Futter bekommen haben. Füttern Sie die ersten Wochen protein- und fettarmes Futter (Proteingehalt max. 20 %, Fettgehalt 9-12 %), das bekommt den Tieren wesentlich besser. Wenn Sie Ihren neuen "Freund" mit qualitativ hochwertiger, oft sehr teurer Nahrung etwas Gutes tun wollen, hat das meistens Durchfall zur Folge. Sie können nach einigen Wochen immer noch aufbauen, so ersparen Sie dem Hund Verdauungsprobleme und Durchfall.
Bitte lassen Sie Ihren Hund nicht unmittelbar nach dem Füttern toben (besonders bei Windhunden besteht aufgrund ihrer tiefen Brust und der sehr hochgezogenen Bauchlinie die Gefahr der evtl. tödlichen!!! Magendrehung!!!!)

Gönnen Sie ihm also bitte 2-3 Stunden Ruhe nach dem Fressen.

Gehen Sie bitte möglichst - gleich von Anfang an - normal mit dem Hund um, auch, wenn er ängstlich ist. Je mehr man auf seine Angst eingeht, desto mehr wird diese verstärkt. Sprechen Sie oft mit dem Hund (ganz ruhig und freundlich, als würden Sie ihm eine Geschichte erzählen), das wirkt oft Wunder. Die menschliche, ruhige Stimme tut den Hunden gut und macht vertraut.

Nicht böse sein, wenn die ersten Tage "was" daneben geht ...

Bitte gehen sie die ersten beiden Tage OFT raus... Ihr Tierschutz-Hund kennt evtl. keine Regeln im Umgang mit seiner EIGENEN BLASE und auch nicht mit seinem EIGENEN DARM. Er wird es sehr schnell lernen. Wenn es "draussen klappt" immer kräftig loben!!!


Wenn es "drinnen passiert", den Hund (aber nur, wenn es gerade passiert ist) konsequent ABER RUHIG darauf hinweisen, dass dies nicht gewünscht ist und sofort rausgehen. Auf Anzeichen von Unruhe und merkwürdigem "Hinsetzen" achten, dann sofort rausgehen und nach Erfolg begeistert sein und ihn kräftig loben.

Grundsätzlich gilt: Nach Ruhephasen führen Sie bitte in den ersten Tagen Ihren Hund nach draussen. Glauben Sie mir, er möchte nicht "unsauber sein".

Bitte "regeln" sie diese Phase mit Ruhe und Geduld- Kasernenton verursacht genau das Gegenteil - denn ihr Hund versteht SIE nicht!!!

Leine, Halsband und Geschirr ...

Bei Hunden, die weder Halsband noch Leine kennen bzw. ängstlich oder schreckhaft sind, ist ein Geschirr besser als ein Halsband. Vor allem Windhunde sind Weltmeister im "rückwärts aus dem Halsband schlüpfen", wenn sie flüchten wollen. Es ist angebracht, den Hund mit Namen und Telefonnummer zu kennzeichnen... falls er doch entwischt, was wir natürlich nicht hoffen, ist er so schnell wieder in seinem "Zuhause".

Freilauf ...

Bevor Sie den Hund frei laufen lassen, versichern Sie sich (z.B. über das Training an der Flurleine oder in einem gesicherten Auslauf), dass der Hund auf Zuruf zuverlässig zurück kommt. Windhunde z.B. sind wahnsinnig schnell (bis zu 70 km/h) und Sie haben keine Chance ihn einzufangen, wenn er mal weg ist.

Ihr tägliches Programm ...

Windhunde brauchen keine stundenlangen Gewaltmärsche. Ein- oder zweimal am Tag richtig toben (am Besten mit einem anderen Hund) oder ausreichende Sprints im Gelände genügen ihm bzw. sind Bedingung für das körperliche und seelische Wohl eines Windhundes. Für lange Fahrradstrecken ist er genauso wenig geeignet wie für Marathon-Training ... er ist und bleibt ein Sprinter ! Zwichendurch noch 2-3 kleine Gassirunden, und sie haben einen glücklichen (Pflege)-Hund!

Einige Tipps für den Tierarzt ...

Wenn einem Windhund die Nase läuft (richtig rinnt) - keine Angst - das ist eine typische Stressreaktion und hat nichts damit zu tun, dass der Hund krank ist.

Genauso verhält es sich mit Schuppen. 2-3 mm große, weiße Schuppen sind reine Stressschuppen. Sie verschwinden nach den ersten Tagen von selber.

Bitte beim Impfen oder notwendigen Injektionen die dünnste Nadel verwenden, die sich eignet. Das fehlende Unterfett lässt den Windhund eine Injektion evtl. als sehr schmerzhaft erleben.

Bei einer notwendigen Narkose auf keinen Fall Barbiturate verwenden, das kann den Hund töten !

Windhunde haben - im Vergleich zu anderen Hunden - ein etwas größeres Herz und einige Organwerte weichen ebenfalls vom Standard ab - wenn Ihr Tierarzt unsicher ist, bitten Sie ihn sich an einen windhunderfahrenen Kollegen zu wenden. Manchmal wurden putzmuntere Windhunde behandelt, nur weil Tierärzte die Werte falsch interpretierten.

Der Hund beim Tierarzt ...

Manche Hunde bekommen durch den bloßen Anblick eines Tierarztes Panik. Das ist ganz einfach zu verhindern. Sobald Ihr Hund eingezogen ist, fragen Sie bitte Ihren Tierarzt ob Sie Ihren NEUEN Hund unverbindlich und kostenlos vorstellen können. Sie tun damit nicht nur sich und den zukünftigen Familien - sondern auch Ihrem Hund - einen grossen Gefallen.

Ein GUTER Tierarzt wird Ihren Hund lediglich mit Leckerchen bestechen und keinerlei Untersuchungen vornehmen. Sollte ihr Tierarzt, aufgrund der Tatsache dass Sie einen Hund aus dem Ausland vorstellen, mit Bluttests aufwarten, sagen Sie bitte NEIN und sprechen Sie BITTE ERST mit uns. Wir informieren Sie UMFANGREICH!!!
NACH unserem Gespräch können wir immer noch entscheiden, wie wir weiter vorgehen.... ! Wir nehmen auch gerne Kontakt mit Ihrem Tierarzt auf.

Grundsätzliches zum Umgang mit Hunden ...

Hunde aus dem Tierschutz haben meistens eine unbekannte Vorgeschichte. Daher ist es wichtig, dass Sie, je nach Verhalten der neuen "Nase", richtig reagieren.

Viele unserer Hunde kennen Halsband und Leine nicht. Zwingen Sie ihr neues Familienmitglied NIEMALS mit Gewalt, an der Leine mitzulaufen. Wenn der Hund Unsicherheiten oder Abneigung gegen Halsband und Leine zeigt, hocken Sie sich hin (machen sich klein!), und locken Sie ihn mit Leckereien und/oder netten Worten. Die Leine sollte NIEMALS straff sein, sondern immer leicht durchhängen. Wichtig ist, dass der Hund FREIWILLIG zu Ihnen kommt bzw. mitläuft.

Sollte der Hund an der Leine herumspringen, oder ziehen: Bleiben Sie stehen. Gehen Sie keinen Schritt weiter. IGNORIEREN Sie sein Verhalten (das ist manchmal gar nicht leicht!) Erst, wenn er sich beruhigt hat, setzen Sie den Spaziergang fort.

Wenn der Hund sie ständig anspringt drehen Sie sich einfach um und lassen ihn "ins Leere" springen... DAS versteht er und wird es nach wenigen Versuchen aufgeben.

Sollte Ihr Hund bei Dunkelheit Angst zeigen, das Haus nicht verlassen wollen oder Angst vor fremden Gegenständen, wie Fahrrad, Mülleimer, Parkbank!!! haben, nehmen Sie ihn an die Leine und führen Sie ihn mit ruhiger Stimme zu dem "Monster" (mit durchhängender Leine!), das wirkt in den meisten Fällen Wunder.

Wenn Ihr Schützling auf Rufen nicht kommt, gehen Sie in die Hocke und rufen ihn freundlich. Sollte er ausweichen wenn Sie auf ihn zugehen, gehen Sie im Halbkreis langsam seitlich!!! auf ihn zu und wenden Sie den Kopf etwas ab. Ihr Verhalten signalisiert, dass Sie freundlich gestimmt sind... und in den meisten Fällen wird er nicht mehr weglaufen wollen.

Starren Sie Ihrem Hund bitte nicht in die Augen oder beugen sich über ihn, obwohl Sie beide sich noch gar nicht richtig kennen. Das "Anstarren" ist für ihre neue Nase sehr unangenehm, sozusagen eine Herausforderung zum Streit. Es verunsichert Ihren Hund sehr... (...haben Sie ihn doch gerade gestreichelt!)

Sollten Sie in Ihrer Familie bereits 4-beinige Mitglieder haben so ist die "Familienzusammenführung" am friedlichsten, wenn Sie den "Neuling" erst einmal in aller Ruhe den Garten oder die Wohnung beschnuppern lassen und erst nach 5-10 Minuten Ihre Nasen dazu nehmen.
Denn wenn sich der "Eindringling" vor!!! den eigenen Hunden auf dem Grundstück oder im Haus befindet, bevor die "Alteingesessenen" hinzukommen, ist es für alle Beteiligten einfacher. Die eigenen Tiere fühlen sich nicht überfallen und die Neue Nase kann im Vorfeld schon "er-riechen", dass HIER noch mehr Pelztiere leben.

In den meisten Fällen gilt: Unerwünschtes Verhalten ignorieren, erwünschtes Verhalten ausgiebig loben. Aber am wichtigsten ist Ihre Konsequenz!
Es gibt viele Fragen, die auf Sie zukommen können - wir sind immer für Sie da!

Nun bleibt uns nur noch, Ihnen viel Freude mit Ihrem neuen Familienmitglied zu wünschen!!!

Anita Volk
Windhunde sind Jagdhunde ...

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