... in einer "Perrera" ...

Hallo Anita,

Ich bin gestern abends zurueckgekommen. Es waren sehr sehr intensive 2 Tage in Cadiz u. Sevillla.

Isa hat mich Donnerstag mittag vom Bahnhof abgeholt u. wir sind sofort nach Cadiz gefahren.
Von den beiden, deren Fotos auf der HP von schlechter Qualitaet sind, habe ich neue gemacht, die ich beifuege (CALMARO 11 D und VERMAS 21 F).

CALMARO ist –wie man sieht- ein prachtvoller Galgo, gross, kraeftig, mit glaenzendem schwarzen Fell. Seit ueber einem Jahr nun ist er in der Pension, ohne dass jemand nach ihm gefragt haette.
Ich hoffe sehr, dass sich das aendert!

 

VERMAS ist sehr menschenbezogen, liebevoll, mit anderen Rueden manchmal etwas "knodderig". Rosa von der Pension glaubt, er moege sehr kleine Hunde nicht. Einen ernsthaften Test hat man jedoch nicht gemacht.

 

Bitte richte bei Gelegenheit auch Deine Aufmerksamkeit auf SIDAN (24 H).Er ist unglaublich liebenswert und bezaubernd, ein Engel!

 

FREITAG:
Isabel bekam morgens um 7 h einen Anruf aus der staedtischen Perrera, es sei eine Galga eingetroffen. Diese Perrera ist eine Art Durchgangsstation: Die auf den Strassen aufgefundenen, von der Polizei bei den Zigeunern mitgenommenen oder einfach von ihren Besitzern abgegebenen Hunde werden dort ca. 1 Woche oder 10 Tage verwahrt und werden dann von einer anderen Perrera –Mairena- abgeholt. Mairena habe ich vor ueber einem Jahr zusammen mit Isabel besucht, es ist die Hoelle fuer die Tiere… Hunde, die auch nur eine Verletzung o.ae. aufweisen, werden sofort getoetet, die anderen verfallen dort zusehend, bis sie schliesslich auch getoetet werden. Alle neuen Hunde –unabhaengig von der Groesse u. Alter- kommen zunaechst in einen grossen Zwinger. Die kleineren haben so u.a. auch kaum die Moeglichkeit, Nahrung zu sich zu nehmen. Es gibt einige Adoptionen, die jedoch keinerlei Kontrolle unterliegen. Galgos z.B. werden natuerlich an Galgueros und auch Zigeuner abgegeben.

Seit einigen Monaten kuemmert sich eine junge Spanierin um die Tiere dort, holt heraus, was sie kann und hat Kontakt mit auslaendischen Orgas, die sogar den Aufenthalt der Hunde in der Pension und deren Vorbereitung finanzieren, bis sie schliesslich ausreisen koennen. Insgesamt jedoch werden die meisten von ihnen umgebracht, besonders viele Katzen beenden ihr Leben an diesem furchtbaren Ort.

Wir fuhren also in die staedtische Perrera –Zoosanitarios. Der dortige Chef, auch TA, hat ein gewisses Interesse daran, einige der Hunde –vor allem die Galgos- zu retten, weshalb er sich bei Isa meldet. Es zerreisst einem das Herz, all diese Wesen zu sehen:
Einige lethargisch, andere als ob sie um Hilfe schreien wuerden… Auf den Tafel waren diejenigen mit “P (wie Perrera” gekennzeichnet, die noch am selben Morgen von Mairena abgeholt werden sollten. Da Isabel Kontakt zu verschiedenen Orgas hat, die vor allem kleine Hunde uebernehmen, haben wir schweren Herzens eine Auswahl getroffen und ausser der Galga - 9 andere mitgenommen.

Alle auf engstem Raum (bestimmt nicht tierschutzgerecht…) auf den kurzen Weg in eine der beiden Pension, mit denen wir zusammenarbeiten, gebracht. Dort wurden sie gebadet, entwurmt und am Nachmittag von unserem TA untersucht. Der Welpe (links im Bild) hat ein Hautproblem, das nun behandelt wird. Es ist eine Huendin, sie waere in Mairena noch am selben Tag getoetet worden.

Auch dieser Welpe, ca. 7 Monate, weiblich wurde mitgenommen. Sie war es, die am verzweifelten geschrien hat.

Wir fuhren dann zu der 1. Pension. Alle Galgos waren in den 3 Auslaufgelaenden, wir haben die Tueren geoeffnet und alle sprangen um uns herum. Kurioserweise befinden sich in dieser Pension z.Zt. nur Rueden, alle reisefertig. Es sind ca. 50, alle in bestem koerperlichen Zustand, froehlich und vollkommen friedlich untereinander. Auch die eher aengstlichen wie Añil und Edward kamen –wenngleich vorsichtig- auf uns zu.

Andere wie Salo, Roberto, Lucero, Moreno (Vorsicht: Klette!!!!) und viele viele mehr wollten Streicheleinheiten und immer wieder Streicheleinheiten. Kuenftige Fragen, ob sich der eine oder andere Rueden denn mit anderen Rueden vertraegt, eruebrigen sich nun.

Am Nachmittag fuehren wir in die 2. Pension. Hier sind die “neueren” Rueden und weibliche Hunde. Die meisten von ihnen befanden sich im grossen Auslauf am Eingang. Es war sehr schoenes Wetter und sie rannten, spielten, waelzten sich im Gras, kamen zu uns, um zu schmusen. Auch sie sind alle in sehr gutem Zustand und machen einen guten Eindruck.

Wir gingen dann zu den anderen in den kleineren Auslaeufen. Einige der neueren sind noch eher aengstlich, aber Isabel sagt, wir haetten im Moment keinen wirklich schweren Fall von Angst. Es seien Hunde, die wenn sie einen etwas besser kennen und man laengere Zeit bei ihnen verweilt, auf einen zukommen und sich anfassen lassen.

In einem der Patios war Rita!
Sie lag in einem Korb und blickte uns gelassen an.

Isabel bestaetigte, dass sich Rita sehr stabilisiert haette- . Als sie sie vor einigen Wochen holte, schrie sie vor Angst. Sie kommt von einem Galguero, der Galgos erschlaegt… Er hat ihr Nase und Oberkiefer gebrochen. Sie wird fuer ihr Leben gekennzeichnet bleiben, selbst die Form ihrer Augen hat sich durch diese Verletzung veraendert, sie scheinen nun viel kleiner zu sein. Sie hat jedoch kein Problem mit der Nahungsaufnahme etc.
Rita hat sich von uns streicheln lassen und blieb ganz gelassen, als wir um sie herumstanden, der Chef der belgischen Orga (Tierarzt) sie untersuchte, wir Fotos machten etc. Rita ist eine Galga fuer Leute, die nicht so sehr auf das Aeussere achten, sich nur von ihrer Liebe zu diesen Hunden leiten lassen. Sie wird ihrer Familie kein Problem bereiten, ist vertraeglich und ruhig.

Die aus der Perrera gerettete Galga haben wir ELS genannt.

Sie wird nun geimpft und in Kuerze nach Belgien reisen, wo der Chef der Orga sie persoenlich bei sich aufnimmt und auch die Kastration durchfuehren wird. Sie wurde in einem Zigeunerlager aufgegriffen, ist aber physisch und psychisch in gutem Zustand.

Zum Schluss gingen wir noch zu den anderen, am selben Morgen aus der Perrera geretteten Hunde. Sie sprangen froehlich im Auslauf und wir hoffen, sie finden bald eine Familie.

Liebe Gruesse,

Gisela